Operation

Jetzt begann das nächste Kapitel. Die Operation, der den Bauchspeicheldrüsenkrebs entfernen soll, stand an.

Am 25.02.2018 fuhr ich mit dem Zug nach Stralsund. Ich übernachtete einmal in einem Hotel. An diesem Sonntagabend gönnte ich mir noch einmal ein Riesen-Rindersteak in einem dortigen Steakhaus. Wer weiß, wann ich so eine Delikatesse wieder einmal vorgesetzt bekomme.

Am Montagmorgen ging ich dann zur Klinik. Aufnahmeprocedere. Wie in jedem Krankenhaus auch. Dann ging es auf Station und 13.00 Uhr hatte ich einen Termin bei Prof. Birth. Er empfing mich pünktlich. Mein erster Eindruck: Ein ausgesprochen sympathischer großer schlanker Mann. Sehr ruhig und sachlich. Kurz erläuterte er mir noch einmal, was er und sein Team auf Grund der Auswertung meiner Unterlagen behandlungsmäßig festgelegt haben. Er schilderte mir (auch mit Hilfe von schematischen Zeichnungen) dass bei mir ein Tumor im Pankreaskörper erkannt worden war. (Die Bauchspeicheldrüse besteht grob gesagt aus 3 Teilen- Kopf, Körper, Schwanz) Wie die Operation ablaufen wird, welche Arbeitsgänge erforderlich sind… all das konnte mir der Arzt noch nicht sagen. Das könne er erst sagen wenn der Bauch geöffnet ist. Und zu diesem Zeitpunkt werde ich sicherlich tief schlafen. Ich habe ihn auch auf die Lebermetastase angesprochen. Seine Antwort: Die Metastase befindet sich an einer relativ günstigen Stelle und könne gut präpariert werden. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich mich in sehr guten Händen befand. Das beruhigte mich.

Dann kam es noch zu einem kleinen Problem. Prof. Birth fragte mich, ob ich privat versichert wäre oder – wenn nicht- einen Wahlleistungsvertrag mit der Klinik abgeschlossen hätte. Nein, beides war nicht der Fall. Ich hatte zwar eine Krankenzusatzversicherung (für Brille, Zahnersatz und ähnliches) aber keine Versicherung für eine Chefarztbehandlung. Ich war immer der Meinung, ein Chefarzt wird vermutlich weniger im OP-Saal stehen und mehr administrative Aufgaben erfüllen. Da wäre es doch sinnvoll, sich lieber von einem „Nicht-Chefarzt“ operieren zu lassen. Das traf wohl in dieser Situation nicht zu. Er bot mir auch an, dass mich einer seiner Oberärzte operiert. Auf keinen Fall möchte ich die Kompetenz dieser Oberärzte in Frage stellen- aber ich war wegen Prof. Birth nach Stralsund gekommen. Er war die Koryphäe. Also fragte ich nach Zahlen……. Schätzungsweise- so Prof. Birth- wird mein Eigenanteil bei ca. 2.000 – 3.000 Euro betragen. Ich habe nicht lange überlegt. Das war mir mein Weiterleben wert.

Am Nachmittag hatte ich dann einen Termin beim Anästhesisten. Dieser schlug mir vor, einen Schmerzkatheder in den Lendenkanal einbringen zu lassen. Das wäre auch für die Schmerzbehandlung nach der OP von Vorteil. Dem willigte ich auch ein. Naja, und dann die ganz normale Aufklärung über die Anästhesierisiken usw.

Am Abend gab es dann noch das übliche Süppchen- nicht besonders lecker- ich dachte wieder an das Rindersteak des vorangegangenen Abends. Aber es half ja nichts.

Am Morgen des 27.02.2018 wurden dann die üblichen OP-Vorbereitungen getroffen. Waschen und Bauch rasieren, ich bekam mein hübsches OP-Hemdchen und eine Tablette, die mich recht „geschmeidig“ machte.

Ich glaube, es war gegen 10.00 oder 11.00 Uhr. Die Fahrt führte in Richtung OP-Trakt. Erste Station: Anästhesiekatheder legen. Leider gelang es dem Arzt nicht, den Katheder zu platzieren. Nach dem 3. Versuch bat ich darum, den Katheder wegzulassen.

Und dann wurde ich in den OP gefahren. Viele grün gehüllte Menschen waren um mich herum. Bis einer über mir stand, mir langsam eine Maske auf das Gesicht legt und mich aufforderte, bis 10 zu zählen. Ich weiß nicht- aber ich glaube, bei 5 war ich schon auf Wolke 7.

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Gedämpftes Licht, Stille, hier und da Geräusche, die ich nicht so richtig zuordnen konnte, ab und zu eine Schwester oder ein Pfleger im grünen Gewand…… dann bin ich wieder weggenickt. Dann wieder dieselben Wahrnehmungen. Ich versuchte mich zu orientieren. Ich suchte eine Uhr. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich begriff, dass die Operation vorbei war. Ich lebte ! Ich konnte sehen, konnte leicht meine Arme und Beine bewegen, ich hatte keine Schmerzen, mir war nicht übel. Ich war nur furchtbar müde und hatte DURST !!! Meine Lippen waren trocken wie Wüstensand. Als eine Schwester bemerkte, dass ich wach war kam sie zu mir und fragte mich, ob alles in Ordnung sei. Ich wäre im Aufwachraum und hätte die Bauchspeicheldrüsenkrebs Operation gut überstanden. Das klang wie Musik in meinen Ohren. Ich sagte ihr, dass ich Durst habe. Durfte aber nichts trinken. Lediglich mit einem kleinen Schwamm tupfte sie mir die Lippen etwas ab. Das musste reichen. Es war Mittwoch, der 28.02.2018 gegen 04.00 Uhr. 16 Stunden nach OP-Beginn. Ich schlief wieder ein………

Einige Zeit später wurde ich wieder wach. Wacher als das erste Mal. Ich bekam eine Morgenwäsche. Und auch wieder den feuchten Schwamm auf die Lippen. Wasser lassen musste ich auch und sagte dies der Schwester. Kein Problem….. ich könne es laufen lassen. Ich machte einen kurzen Kontrollgriff…. Ok. Katheder. Aber kurze Zeit später wurde der dann gezogen. Pffffff keine schönes Gefühl.

Und dann ging es schon zurück in mein Zimmer auf Station.

Um die Mittagszeit war dann mein Operateur bei mir um mir mitzuteilen, was er bei mir gemacht habe. Das in kurzen Stichpunkten:

  • Dauer der Operation 6 einhalb Stunden
  • erweiterte Pankreaslinkssesektion (Operation Bauchspeicheldrüsenkrebs/Bauchspeicheldrüsenschwanz Entfernung des linken Teils des Pankreas)
  • Splenektomie (Entfernung der Milz)
  • ein paar „kleine Nebenarbeiten)
  • Entfernung der Lebermetastase
  • Irreversible Elektroporation
  • Setzen von 4 Goldmarkern

Insgesamt sei die Operation „technisch aufwändig und höchst anspruchsvoll“ gewesen. Aber die Operation des Bauchspeicheldrüsenkrebs war erfolgreich. Über den weiteren Werdegang wolle er (Prof. Birth) mit mir in den nächsten Tagen sprechen.

Wie oben schon beschrieben, konnte ja der Schmerzkatheder nicht im Wirbelkanal platziert werden. Also erhielt ich eine Flexüle in die Handoberfläche. Dazu einen kleinen Knopf. Sollte ich Schmerzen verspüren, dann solle ich nur einmal auf den Knopf drücken und es wird eine kalkulierte Portion Schmerzmittel verabreicht. Beim Einsetzen der ersten Schmerzen habe ich das auch getan, aber leider „brannte“ lediglich meine Hand und der eigentliche Schmerz wurde auch nicht weniger. Solange, bis eine Schwester bemerkte, dass sie Flexüle gar nicht in der Vene platziert war sondern daneben. Nach der Behebung des Bugs funktionierte das ganze wunderbar. Insgesamt kann ich jedoch sagen, dass die Schmerzen überschaubar waren.

Am nächsten Tag- jetzt haben wir den 01.03.2020 (der Februar hat eben nur 28 Tag, meistens jedenfalls) bin ich das erste Mal aufgestanden. Ich war zwar noch etwas wackelig auf den Beinen, traute mir mehr zu als mein Körper in der Lage war mitzumachen…. Aber immerhin.

Der Verband wurde gewechselt und ich habe das erste Mal meine Narbe gesehen. Quer über den Bauch verlaufend, nicht entzündet. Sah gut aus. Links und rechts neben der Narbe befanden sich noch Drainageschläuche und denen Wundflüssigkeit austrat.

Jetzt gab es auch wieder etwas zu essen. Das war auch eine Wohltat.

Auch habe ich in den nächsten Tagen Besuch bekommen. Meine Lebensgefährtin, meine Tochter und mein Sohn und meine Schwester. Alle freuten sich mit mir zusammen, dass alles gut verlaufen war.

Es wurde auch regelmäßig mein Blut untersucht. Auch der CA-19-9- Wert. Dieser ist nach der Operation schlagartig heruntergefallen. Unterhalt des Referenzwertes.

In den nächsten Tagen habe ich viele Fortschritte gemacht. Ich bin umhergelaufen, ein bisschen Treppe gestiegen, konnte essen, hatte kaum Schmerzen…. Alles super.

Am 08.03.2018 wurde ich entlassen. Nach einer Woche und 4 Tagen.

Der weitere Verlauf war problemlos. Ich meldete mich bei meiner Hausärztin, stellte mich bei meinem Onkologen vor, bewegte mich jeden Tag ein bisschen (meine sportlichen Aktivitäten fehlten mir ungemein), besuchte auch meine Arbeitskollegen und kümmerte mich um ein paar organisatorische Dinge.

Und ich kaufte mir einen Neopren-Bauchgurt. Es fühlte sich unheimlich unangenehm an, wenn sich der Stoff des T-Shirts auf der Haut um die OP-Narbe bewegte. Mit dem Gurt war das wesentlich angenehmer.

An Medikamenten musste ich nichts einnehmen- lediglich spritzte ich jeden Tag Clexane. Das machte ich selbst- ist keine große Sache.

Alles in allem kann ich sagen, dass ich mir die Operation des Bauchspeicheldrüsenkrebs viel schlimmer und langwieriger vorgestellt hatte. Ich glaube, ich war in dieser Beziehung ein Glückspilz.

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